Fortschritt durch Pflügen
In kaum einem Bereich hat der technische Fortschritt für den Menschen eine größere Bedeutung, als in der Lebensmittelproduktion. Während unsere Vorfahren noch Techniken erlernen mussten, um in möglichst kurzer Zeit mit ihren Händen Nahrungsmittel zu sammeln, befinden wir uns in den Industrieländern heute in der glücklichen Lage, über die Produktion als solche wenig Gedanken machen zu müssen.
Der wohl wichtigste Schritt in diese Richtung entstand durch die Entwicklung des Ackerbaus. Hier wurde eine Technik erfunden, die es den Menschen ermöglichte sesshaft zu werden und dabei trotzdem eine sichere Lebensmittelversorgung zu erzielen.
Während zunächst Techniken entwickelt wurden, um die Produktivität zu erhöhen, wie z.B. Umgraben und manuelle Unkrautbeseitigung, hielten in den folgenden Jahrhunderten auch technische Gerätschaften einzug. Eine der wohl wichtigsten Erfindungen, die bis heute die Landwirtschaft und die Kulturlandschaft prägt, ist der Pflug.
Der Pflug übernimmt die Aufgabe des Umgrabens. Der Boden wird gewendet, dabei werden Ernterückstände und Samen, welche sich auf der Oberfläche befinden, vergraben. Hierdurch kommt es zur mechanischen Unkrautkontrolle. Keimende Pflanzen können aus der großen Tiefe nicht mehr an die Oberfläche gelangen und verenden. Zusätzlich wird Sauerstoff in den Boden mit den Ernterückständen eingearbeitet und somit die Umsetzung (Mineralisierung) beschleunigt, wodurch in den nächsten Vegetatiosnperioden Nährstoffe für die Folgekultur zur Verfügung stehen. Die nun vergrabenen Ernterückstände stören im folgenden Jahr auch nicht mehr bei der Aussaat und es wird ein optimales Saatbett geschaffen.
Nach der Erfindung des Pfluges wurde dieser stetig verbessert und weiterentwickelt. Voraussetzung hierfür war die Erfindung zugstarker Maschinen. Solange noch Zugtiere verwendet wurden, konnten nur die obersten Zentimeter des Bodens bewegt werden und es war lediglich die Verwendung weniger Schare möglich, wodurch die Flächenleistung stark eingeschränkt war.
Die Dampfmaschine machte es möglich, genug Energie aufzuwenden um bis zu 20cm tief pflügen zu können und das mit mehreren Scharen. Hierdurch stieg die Flächenleistung erheblich und damit die Produktivität.
Ein weiterer wichtiger Schritt, war die Entwicklung des Wendepfluges. Während es zuvor notwendig war immer in eine Richtig zu pflügen, konnte der Landwirt nun am Ende des Feldes einfach umdrehen und in die entgegengesetzte Richtung weiterarbeiten. Durch die entfallenden Wegzeiten konnte die Flächenleistung hierdurch nahezu verdoppelt werden.
Die Entwicklung immer leistungsstärkerer Zugmaschinen führte im Laufe der Zeit zu einer immer weiteren Steigerung der Flächenleistung und hat heute, wie Weltrekordversuche zeigten, eine Größenordnung von über 300 Hektar in 24 Stunden erreicht.
Allerdings hat die Praxis des Pflügens und die große Flächenleistung nicht nur Vorteile. Besonders in windausgesetzten Gebieten und Regionen mit viel Niederschlag hat die Vergrößerung der Flächen gepaart mit dem Pflug zu massiven Bodenverlusten durch Erosion geführt. Noch heute wird das Beispiel des ‘Dustbowls’ in den USA gerne in diesem Zusammenhang genannt.
Doch auch für dieses Problem hat der Mensch in den letzten Jahrzehnten eine Alternative entwickelt: die Direktsaat.




